Deutsch statt “Neusprech”-Kauderwelsch


Wer sich für die Bewahrung der deutschen Sprache als Kulturgut einsetzt und beispielsweise Front gegen eine immer mehr um sich greifende Anglizismenflut macht, wird schnell bei zeitgeistgemäßen selbsternannten „Volkspädagogen“ auf Kritik stoßen. Schließlich lebten wir im Zeitalter der „Globalisierung“, heißt es unter anderem. Und auch das weltweite Netz (Internet) wird als Rechtfertigung für die bedenkenlose Ersetzung des Deutschen durch das Englische vorgebracht.morhofen-unterricht

Ein Blick über unsere Grenzen beweist allerdings, dass es in Bezug auf Sprachbewusstsein auch anders geht. So ist festzustellen, dass etwa im französischen, spanischen und portugiesischen Sprachbereich das Eindringen des Englischen keinesfalls soweit fortgeschritten ist wie bei uns. Jedes Volk hat ein Recht auf die Bewahrung seiner eigenen Kultur, und somit sollte das Deutsche als Medium statt einer Fremdsprache weitestgehend benutzt werden. Dabei muss ins Bewusstsein gerufen werden, dass 100 Millionen Menschen in Europa Deutsch als Muttersprache haben. Ein EU-weiter Spitzenwert.

Doch hierzulande meinen viele, Kauderwelsch sei ebenso schick wie „Denglisch“, dieses verquere Gemisch aus schlechtem Englisch und wenig gutem Deutsch. Beispiele gefällig? Da schreibt eine Journalistin in einer „Home-Story“ über einen Millionär auf Mallorca, der Mann habe in seiner Villa auch einen „Chillroom“. Was hat er? Na ja, eben eine Ecke zum Ausspannen. Englisch: to chill – abkühlen. Oder: Im Fernsehen wird ein junger Mann vorgestellt, der der „Warm-Upper“ der Sendung ist. Donnerwetter, der Warm-Upper. Der heizt an, das fetzt. Und wenn eine Dame in trendigem „Outfit“ beim „Shopping“ in ein Kosmetikgeschäft geht, muss sie entweder des Englischen mächtig sein oder ein Wörterbuch in der Tasche haben, sonst könnte sie sich das Falsche für ihre „Eyeshadows“ besorgen und das würde den „Look“ überhaupt nicht „spacig“ machen.

Darüber hinaus: Auch im Supermarkt kann man bahnbrechender Erkenntnisse hinsichtlich zeitgeitsgemäßer Sprach(un)-Kultur teilhaftig werden. So fand der Verfasser dieser Zeilen jüngst ein Sortiment, dem die „Marketing-Experten“ den klangvollen Namen „Non-Food“ gegeben haben. Mit diesem eigenartigen Begriff aus der Muttersprache Shakespeares ist alles gemeint, was man nicht essen kann- auf Deutsch (in der Muttersprache eines Goethe) heißt das also: Nicht-Essen. Man erklärt bzw. bestimmt begrifflich etwas durch das, was es nicht ist. Soviel steht fest: Wenn Menschen in ihrer Muttersprache miteinander reden, sich aber dennoch nicht mehr verstehen, ist Gefahr im Verzug. Und wenn man auf dem Bahnhof auf der Suche nach einem Auskunfts-Schalter zwischen „meeting-point“, „informations-desk“ und „check-point“ hin und her irren muss, wird mehr als „nur“ Verständlichkeit geopfert.

Mehr Sprachbewusstsein tut not. Erwehren wir uns in diesem Sinne mit Nachdruck des Siechtums des Deutschen!

Hans Weidenbach

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